Transplantationsfragen

Organspende. Günther Richter / pixelio.de
Organspende. Günther Richter / pixelio.de

Ist die Zustimmung zur postmortalen Organspende ein großmütiges Geschenk, wie der „Nationale Ethikrat“ feststellte? Wirken hier trotz der geltenden Freiwilligkeit moralische Zwänge? Sind Organe wirklich knapp oder ist der Mangel an Organen eine Folge schlechter Organisation im Gesundheitswesen? Diesen und anderen Fragen geht im Text  „Organspende – eine Hilfe mit vielen Hindernissen“  bei „humanismus aktuell“ Erwin Kress nach, Vizepräsident des HVD.

Kress geht in seinem Beitrag auf Hindernisse und auf vom Gesetzgeber zu ziehende Konsequenzen ein. Er beginnt seinen Aufsatz mit Zahlen, Daten und Fakten. Er fragt, woran es liegt, dass zu viele Ablehnungen bei möglichen Organspenden vorliegen, woher diese Einschätzung kommt und ob sie überhaupt stimmt. Sein Urteil ist, dass die möglichen Organspenden nicht ausreichend erfasst werden. Dies liege an der Organisation des Organspendeprozesses in Deutschland, die er ausführlich beschreibt.

Anschließend geht der Autor auf vorgesehene Änderungen des Transplantationsgesetzes ein. Er sieht hier „betriebliche“ Änderungen, Änderungen in der Erfassung des Spenderwillens (bringt hier die Erfahrungen des HVD mit Patientenverfügungen ein) und erklärt, warum die Einführung einer „Vertrauensperson“ die beschriebenen Probleme nicht zu bewältigen vermag.

In einem folgenden Kapitel erläutert Kress wesentliche Fragen der Hirntod-Problematik anhand der „Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes“ in der 3. Fortschreibung von 1997. „Früher oder später wird der Gesetzgeber die Verknüpfung der Organspende mit der Todesfrage neu aufnehmen müssen. In verschiedenen anderen Ländern werden heute auch Organe bei Patienten entnommen, deren Kreislauf zusammengebrochen ist und bei denen medizinisch gesehen eine Wiederbelebung keinen Sinn mehr macht (non heart beating donors).“

Davon ausgehend wird die Transplantationsmedizin generell hinterfragt. „Und natürlich ist die Transplantationsmedizin ein Riesengeschäft, unter anderem für die Hersteller von Arzneien, die die bei der Organtransplantation üblichen Abstoßungen lebenslang verhindern. Geschäfte wecken Interessen, die entsprechend aktiv verfolgt werden. Ein zweifellos gravierender Aspekt bei diesem Thema stellt der Organhandel dar. Während der Organhandel durch EU-Richtlinie und das TPG untersagt werden, findet er in Wirklichkeit doch statt, insbesondere auf dem Rücken der ärmsten Menschen weltweit. Und während bei uns bestimmte Auswüchse des Sextourismus inzwischen verfolgt werden, kann jeder Geld in die Hand nehmen und sich im Ausland ein Organ kaufen.“

Der Artikel endet mit einer Aufzählung von sechs konkreten Folgerungen des Autors, die zugleich eine indirekte Aufforderung an den HVD sind, sich zu diesen wichtigen ethischen Positionen und ihren politischen Folgen sich positionierend zu verhalten.

Claudia Buchmann