Mit dem Teufel im Bunde

Mit dem Teufel im Bunde

Wie viele Menschen umfasst die satanische Szene heute in Deutschland? Genaue Zahlen sind nicht bekannt. Das in “humanismus aktuell” von Siegfried R. Krebs rezensensierte Buch der Religionswissenschaftlerin Dagmar Fügmann kann auch nur schätzen. Demzufolge sind es hierzulande wohl nur zwischen zwei- und fünfhundert Personen, die in festen Gemeinschaften organisiert sind. Die ganze Szene umfasst etwa zwei- bis fünftausend.

Dieser relativ kleinen Gruppe stehen nicht nur große Aufregungen in den christlichen Amtskirchen entgegen, sondern auch Berichte sensationslüsterner Medien über schwarz gekleidete Gothictypen, die nachts auf Friedhöfen schwarze Messen abhalten und angeblich sogar Menschen opfern sollen. Dieses Bild unterscheidet sich erheblich von dem, das die Satanisten selbst über ihre Glaubens- und Wertvorstellungen sagen, wie sie leben und wie die nun veröffentlichte Studie belegt. Es entbehre jeder Grundlage, von einem geschlossenen Weltbild auszugehen.

Die Autorin, so der Rezensent, konstatiere zwar eine seit den 1970er Jahren weltweit verstärkte „Renaissance des Religiösen“. Diese sei aber mit einer Privatisierung des Religiösen verbunden, was verdeutliche: Der Trend gehe „weg von den Kirchen“.

Ausführlich beschreibt Fügmann die 1966 gegründete “Church of Satan” und andere Gruppierungen. Bemerkenswerterweise führe die Autorin eine Aussage LaVeys an, warum er denn seine Religion Satanismus nenne und nicht beispielsweise Humanismus. Sinngemäß heiße es bei La Vey: Humanismus sei keine Religion. Das sei einfach nur eine Lebensweise ohne Zeremonien und Dogmen. Der Satanismus dagegen habe Zeremonien und Dogmen, denn diese seien für Menschen notwendig. Überhaupt ergäben sich im Detail viele Ähnlichkeiten in den Ansichten mit Konfessionsfreien.

Für deutsche Verhältnisse sei, so Krebs, der Unterabschnitt über den Kirchenstatus der “Church of Satan” in den USA von besonderem Interesse. Sie sei wie andere in eine Art Handelsregister eingetragen, da „die Anerkennung von religiösen Gemeinschaften z. B. als Kirchen in den USA vor allem über die Steuer- und Finanzbehörden vonstatten geht“. (S. 98) Bemerkenswert sei auch der Umstand, dass Kirchen in den USA wie Wirtschaftsunternehmen behandelt würden.

Alles in allem, so der Rezensent, sollte das Buch breit gelesen werden, denn es vermittle auch Atheisten, Freidenkern und Humanisten wertvolles Fakten- und Argumentationsmaterial.

Dagmar Fügmann: Zeitgenössischer Satanismus in Deutschland. Weltbilder und Wertvorstellungen im Satanismus. Marburg: Tectum-Verlag 2009, 398 S., 29,90 €, ISBN 978-3-8288-2101-9

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Claudia Buchmann