Was ist der Mensch?
(HAD) Der erste Text zur Beförderung von Humanistik, der auf dieser neuen Homepage für die noch imaginierte Publikationsform „humanismus aktuell online“ veröffentlicht wird, stammt von Gerald Wolf. Er trägt den Untertitel „Erkenntnis und Glauben – und die Grenzen“. Der renommierte Magdeburger Hirnforscher (Jg. 1943) beschäftigt sich in diesem Text mit Fragen des Zusammenhangs von objektiven physiologischen Vorgängen im Gehirn und subjektiven Glaubensannahmen an Religion, speziell denen, die einen Gott haben.Der Mensch, so der Autor, werde seit Aristoteles als ein zoon politikon gesehen, ein soziales Tier. Das sei durchaus zutreffend, aber nicht hinreichend, weil auch viele andere Tiere in sozialen Verbänden leben. Sämtliche Affenarten machen das so, und aus zoologischer Sicht seien wir keine Affen. Weit treffender sei es, den Menschen über seine hochgradigen geistigen Fähigkeiten zu definieren. Deshalb taufte sich der Mensch selbst auf den Artnamen "Homo sapiens". Selbstzweifel seien zwar angebracht, doch kein anderes Tier habe den Menschen je diesen Eigennamen streitig gemacht. Womöglich gibt es klügere Wesen, aber nicht hier auf diesem Planeten. Könne dies „Gott“ sein? Der Autor verneint dies, doch erst nachdem er entwickelt hat, was an Emotionen angeboren ist und nicht erlernbar und nur der Selbsterfahrung zugänglich sei, wie Hass, Sympathie, Stolz, Scham, Ekel und Freud oder die Sinnesempfindungen für „Rot“ oder „Grün“, für „Laut“ oder „Kalt“, für Schmerz, Durst und den Maiglöckchenduft elementare Gefühlsqualitäten. Was kommt in einem Lernprozess durch Außen- und Innenerfahrung hinzu? G. Wolf setzt sowohl mit spekulativen Theorien über Gottes-Gene, als auch mit naiven Naturalismen auseinander, nach denen Menschen zuerst einmal Affen sind.
Der vollständige Text findet sich hier als PDF.
Der Autor Prof. Dr. Gerald Wolf, Arzt und Biologe, wurde 1981 Professor für biologie an der damaligen Medizinischen Akademie Magdeburg, heute Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) und 1992 zum Professor für Medizinische Neurobiologie berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 2008 Leiter des gleichnamigen Institutes war. Er hat zahlreiche Schriften, aber auch zwei Wissenschaftsromane verfasst. Seine Homepage belegt dies und seinen Humor ebenfalls.

