Hilfe zum Zweifeln

Renate Schuster(HAD) Die Autorin Dr. Renate Schuster stellt in ihrem Text Fragen zum christlichen Glauben. Wie die christlichen Kirchen ihren Mitgliedern und Glaubensbedürftigen neben der Bibel nicht nur predigend, sondern auch schreibend manche „Hilfe zum Glauben“ geben, will sie beim Zweifeln helfen.
Gleich eingangs gesteht sie, dass es ihr logisches Vermögen überfordert, sich als Atheistin die Furcht vor einer „gottlosen“ Gesellschaft überhaupt vorzustellen. Wenn ohne religiös gestützte Moral dem Abendland angeblich „gesellschaftlich katastrophale Folgen“ drohen, welche Moral und welches Weltbild wären es, die verloren gingen? Das Motiv der Autorin ist eine Entgegnung auf die von Kirchenvertretern und Politikern (als exemplarisch genommen werden die Linken-Politiker Gysi und Lafontaine) immer wieder geäußerte Besorgnis, ohne Religion entstehe ein unerträglicher Werteverlust.

Um Zweifel daran zu nähren, nimmt Renate Schuster das christliche Glaubensbekenntnis (Credo) als ernste Mitteilung an Gläubige wie Ungläubige, also wörtlich. Sie fragt, was dort modernen Menschen für Botschaften gegeben werden und welche Wertvorstellungen und Weltansichten darin mitgeteilt werden. Woran soll sich der glaubensbereite wie ungläubige Mensch sonst halten, wenn nicht an dieses Bekenntnis?

Verluste an diesem Glauben werden als Gewinne herausgearbeitet, an Freiheit, Weltsicht, Wissenschaftlichkeit, Diesseitigkeit und Zwang zur Solidarität. Was könnte gewonnen werden, wenn z. B. „Auferstehung“ nicht in leiblicher, sondern in geistiger Gestalt vergegenwärtigt würde, „etwa als die Unsterblichkeit einer humanen Botschaft, eines Aufschreis Gequälter, die uns nötig sein mag, solange wir solcher ‘Botschaften’ bedürfen, auf uns gekommen von Verfolgten, Beleidigten, Mühseligen, Beladenen, unsterblich allerdings nur so lange, wie auch Leben möglich ist in den unendlichen Weiten der Welt?“

Weil hier Gemeinschaftlichkeit der Menschen nötig sei, müsse jenen Christen, „die genau dies als das Vermächtnis des Gekreuzigten in die Tat umsetzen wollen, ... über die Unzumutbarkeiten ihres Glaubensbekenntnisses hinweg die Hand zur Zusammenarbeit gereicht“ werden, allerdings unter der Bedingung, dass sie sich gelegentlich in jene einfühlen, die sich von derartigen intellektuellen Zumutungen, Inhalten und Ritualen eher abgestoßen als angezogen fühlen.

Der vollständige Text findet sich hier als PDF.

Die Autorin Renate Schuster ist promovierte Kulturwissenschaftlerin, Rentnerin, wohnt in Berlin und ist Mitglied der KulturInitiative’89 und der Evolutionären Humanisten Berlin-Brandenburg.