Humanismus in Rostock
Als erste Universität in Mecklenburg öffnet die "Alma Mater rostochiensis" in Rostock anno 1419 ihre Pforten für die wissbegierigen jungen Männer aus allen deutschen und auch aus fernen Landen. Am 12. November wurde als Gründungsrektor Petrus Stenbeke berufen. Er war mit anderen Doktoren und Magistern von der Erfurter Universität gekommen. ...
Humanisten wie Conrad Celtis, Ulrich von Hutten und Nikolaus Marschalk begeisterten die Gelehrten und Studenten in Rostock mit ihren Ideen und Ansichten. Gleichzeitig geriet die katholische Welt ins Wanken, als Martin Luther 1517 seine Thesen in Wittenberg öffentlich machte.
Aufgrund von religiösen Unruhen in Rostock musste die Universität 1437 kurzzeitig nach Greifswald umziehen. Nach sechs Jahren Exil kehrte die Alma Mater nach Rostock zurück. Inzwischen hatte die Stadt Greifswald Gefallen an einer Universität gefunden und konnte sich dann ab 1456 einer eigenen Hochschule rühmen.
Die Renaissance läutetet eine Kulturwende in vielen Lebens- und Geistesbereichen ein und stand vor allem für die Rückbesinnung auf die antiken Werte und Schriften, für das Streben nach reinen Naturerkenntnissen. Zeitgleich brachte der Humanismus ein neues Menschenbild hervor, allerdings zunächst nur in den Köpfen der Gelehrten. ...
Bald reifte die Erkenntnis im armen Mecklenburg, dass beide Universitäten unter dem Zerwürfnis litten. So vereinte Friedrich Franz beide Hochschulen wieder unter einem Dach - und zwar in Rostock. Trotz der geringen Zahl der Studenten hielten neue wissenschaftliche Lehren Einzug. Die Forschungseinrichtungen wurden erweitert, 1790 wurde das Anatomische Institut eröffnet, 1793 die Landwirtschaftliche Lehr- und Versuchsanstalt, 1828 ein medizinisch-chirurgisches Krankenhaus, 1834 ein chemisches Laboratorium. Trotz der zahlreichen neuen Lehrstühle blieb die Rostocker Hochschule die kleinste im deutschen Reich. Als letztes Land im Reich führte Mecklenburg 1909 das Frauenstudium ein.

