Freunde der Humanität

Rezension einer Studie über die wohl erste hu­ma­nis­tische Or­ga­ni­sa­tion in Berlin
Björn Brüsch vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin rezensiert auf dem Portal H-Soz-u-Kult, einem Fachinformationsangebot des Vereins Clio-online - Historisches Fachinformationssystem das Buch von Uta Motschmann: Schule des Geistes, des Geschmacks und der Geselligkeit, Die Gesellschaft der Freunde der Humanität (1797-1861), Hannover 2010. Mit der vorgelegten Studie werde auf Grundlage eines umfangreichen vereinsinternen Quellenmaterials der 1797 in Berlin gegründeten Gesellschaft vorgestellt. Zugleich trete das Arbeitsvorhaben Berliner Klassik. Eine Großstadtkultur um 1800 der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, in dessen Kontext die Studie entstand, an die Öffentlichkeit. Als zentrale These lege Uta Motschmann ein Konzept von Geselligkeit vor. Gemeint sei hier nicht nur „die Neigung oder Fertigkeit gern mit andern umzugehen“ (Adelung), als vielmehr die sich für den aufgeklärten Bürger des ausgehenden 18. Jahrhunderts damit verknüpfende Bildung im Sinne der Ausbildung des Menschen zum Menschen. Die Gesellschaft agiere damit an einer Schnittstelle zwischen privater und beruflicher Sphäre. In gegenseitiger Anregung und Belehrung als einem wechselseitigen Austausch von Wissen bildeten sich die Mitglieder. Ziel der Gesellschaft sei der umfassend humanistisch gebildete Staatsbürger gewesen. Ihrem Selbstverständnis und ihrer Programmatik habe die Gesellschaft den Zweck verfolgt, „unter ihren Mitgliedern eine wissenschaftlich begründete Freundschaft zu stiften, und durch wechselseitigen Austausch ihrer Gedanken, Kenntnisse und Erfahrungen innere Fortbildung und aufheiternde Erholung zu veranlassen“ (§ 1). Dazu hätten sich die Mitglieder wöchentlich getroffen, um Abhandlungen zu den eigenen Steckenpferden vorzutragen und über die neueste Literatur und Kunst oder allgemein über Themen zu referieren, die für Experten wie für Laien als wissenswert gelten konnten, um sich im Anschluss an den freien Vortrag bei einer einfachen Mahlzeit ebenso frei darüber auszutauschen.