Humanistik

Das Wort „Humanistik“ mag auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig erscheinen, ist aber begrifflich vergleichbar mit den Bezeichnungen der wissenschaftlichen Disziplinen Germanistik oder Urbanistik.

Humanistik ist die wissenschaftliche Bearbeitung und Reflexion von Konzepten und Erfahrungen des modernen praktischen Humanismus. Sie greift auf gegenwärtige Diskussionen über das Humane sowie auf historische Untersuchungen über humanistische Traditionslinien zurück.

Dabei verwendet sie die Ergebnisse der freien wissenschaftlichen Humanismusforschung für eine wissenschaftlich angeleitete Reflexion und Artikulation des modernen Humanismus als Weltanschauung. Insofern ist die Humanistik selber wissenschaftlich frei, aber auf die Praxis des modernen Humanismus einschließlich seines sich beständig weiter entwickelnden Selbstverständnisses als Gegenstand der Untersuchung bezogen.

Humanistik liefert damit auch Grundlagen für weltanschaulich gebundene Humanistische Studien: Fort- und Weiterbildung des Humanistischen Verbandes, mit denen dieser im Rahmen seiner organisierten Praxis Mitarbeiterinnen qualifiziert und weiterbildet.

Die Humanistische Akademie praktiziert eine solche Humanistik und setzt sich für deren Etablierung als Hochschuldisziplin ein, analog zu den theologischen Lehrstühlen evangelischer, katholischer, islamischer und alevitischer Provenienz. Die niederländische Universität für Humanistik in Utrecht steht beispielhaft für den Sinn und Erfolg einer solchen Einrichtung.

Die öffentliche Debatte in Deutschland über „Humanistik – Humanismus als Studienfach“ begann die Humanistische Akademie Berlin-Brandenburg auf einer Konferenz im Jahre 2004, deren Ergebnisse in Humanismus aktuell (Heft 15) nachlesbar sind. Weiter führte die Akademie im November 2010 in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung die Konferenz „Humanistik in Zeiten der Krise“ durch. Die Vorträge und Debatten sind Grundlage des Buches "Humanistik" in der Schriftenreihe der Akademie.