Adjektive des Humanismus

Adjektive des Humanismus

Unter der Überschrift „Differenzierungen im Humanismus – Alphabetische Sammlung zum Wortgebrauch von ‘Humanismus’ in deutschsprachigen Texten“ veröffentlicht die Online-Ausgabe von „humanismus aktuell“ als Text 27 eine umfangreiche Ausarbeitung von Horst Groschopp über 166 adjektivische Zusätze zum Humanismus-Begriff mit jeweiligen Literaturangaben, Zitaten, einigen Erläuterungen und Bezügen aufeinander von „abendländischer“ bis „zweiter Humanismus“.

Die nun vorliegende Erfassung von Präzisierungen des Begriffs Humanismus durch adjektivische Zusätze versteht sich als Vorstudie zu einem Handbuch „Humanismus: Grundbegriffe“, das 2013 im Akademie Verlag Berlin erscheinen soll (Herausgeber: Hubert Cancik, Horst Groschopp, Frieder Otto Wolf).

Der Liste mit über 300 Hinweisen auf Lektüren ist eine längere Einführung in dieses Verzeichnis vorangestellt. Darin werden die Kriterien der Auswahl erläutert, einige Befunde durch Einordnung in aktuelle bzw. historische Debatten thematisch und politisch verortet und das neue Interesse am Humanismus versucht zu erklären. An einem konkreten Beispiel, dem „realen Humanismus“, wird ausführlicher auf die Begriffentstehung und -bestimmung eingegangen, der allgemeine und unterschiedliche ost-westdeutsche Gebrauch angedeutet und auch der Nachteil adjektivischer Beschränkung der Humanismus-Analyse bestimmt.

Zugleich wird im Vorwort aus dem jeweiligen Gebrauch auf ein „übliches“ Verständnis von Humanismus zurückgeschlossen, wie es in der wissenschaftlichen – und nur darauf wird Bezug genommen – Literatur vorkommt und dies auf die frühe englische Bestimmung von „humanism“ bezogen, die sich dann noch – was den aktuellen Gebrauch betrifft von der amerikanischen unterscheidet, u.a. deshalb, weil der historische „amerikanische Humanismus“ (ohne auf dessen „Unitarismus“ näher einzugehen) weder in Ost- noch in Westdeutschland, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven, rezipiert wurde.

Es zeigte sich: Humanismus sei ein offenes System. Es gäbe darin nicht nur einen (im Sinne von „einem einzigen“) Humanismus. Alle Differenzierungen des Humanismus würden jedoch um das gleiche Problem kreisen: Wie wird in der jeweiligen historisch gewordenen Kulturauffassung von „Barmherzigkeit“, „Bildung“ und „Menschlichkeit“ der Mensch bzw. wie werden die Menschen gesehen, wobei in den Aussagen wiederum je konkrete weltanschauliche Richtungen gebündelt werden, die mal mehr, mal weniger versuchen mit einem rationalistischen und historischen Herangehen die „Würde des Menschen“ zu definieren, die damit verbundenen Fragen in aller Regel anthropozentrisch zu beantworten – oder eben genau dagegen zu polemisieren. Dabei wird auch auf „falschen Humanismus“ und „antihumanistischen Humanismus“ hingewiesen. Wenn es die Wortverbindung gäbe, sei dazu auch eine Realität von Diskursen feststellbar.

Die Untersuchung zeigt zugleich die Geschichtsmächtigkeit wie die Veränderbarkeit etwa eines „christlichen Humanismus“, der als „integraler“ wie als „theonomer Humanismus“ bestimmt werden könne, der wiederum verschiedene politisch Deutungen habe bzw. gehabt habe, wogegen ein „säkularer“ oder „weltlicher Humanismus“ inhaltlich bislang anzureichend agiere, schon begrifflich. So kann diese Ausarbeitung auch als ein Beitrag zum qualifizierten Nachdenken über ein Humanistisches Selbstverständnis etwa des HVD verstanden werden.

Claudia Buchmann